FLUT beim Frauen*streik

Aktualisiert: Aug 27

Anlässlich des Frauenkampftages gestern am 8. März hat sich die Ortsgruppe des Frauen*streiks in Jena ins Zeug gelegt und sowohl eine Demo als auch eine aktivistische Mittagspause, ein Diskussionsforum und musikalisches Programm auf die Beine gestellt. Zur Mittagspause wurden auch wir geladen und durften an unserem Stand auf den momentan laufenden Call for Entries aufmerksam machen, Tombola-Gewinne und Vulva-Kekse unter die Leute bringen und mit Besucher*innen ins Gespräch kommen.

Die Frauen*streik-Bewegung möchte unter anderem auf die unrechte und geschlechtsspezifische Arbeitsteilung hinweisen, die weltweit besteht und maßgeblich zum Nachteil von Frauen ausfällt. So übernehmen häufig Frauen den Großteil der Sorge- und Reproduktionsarbeiten, die zwar gesellschaftlich notwendig sind, jedoch meist unbezahlt oder - wenn sie professionalisiert sind - unter prekären Verhältnissen und unterbezahlt erledigt werden müssen. Zu diesen Arbeiten gehören Tätigkeiten in der Pflege und Erziehung von Menschen, aber auch Erledigungen im Haushalt, die meist von Frauen übernommen werden. Oft bleiben diese Arbeiten für diejenigen, die sie nicht ausführen, unsichtbar und teilweise nehmen auch die Personen, die sie ausführen, eben diese Aufteilung als selbstverständlich wahr. So fühlen sich viele Frauen zwar im Alltag belastet, können aber gar nicht so recht bestimmen, woher dieses Gefühl kommt und welche Faktoren dafür ausschlaggebend sein könnten. Es lohnt sich, genau hinzusehen und jede*r kann sich fragen, wie viel Zeit Tätigkeiten in Haushalt und in der Pflege und Unterstützung von anderen Menschen in ihrem*seinem Alltag in Anspruch nehmen. Denn auch emotionale Gespräche und Fürsorge für Menschen in unserem Umfeld gehören zu diesem erweiterten Verständnis von Arbeit dazu. Gerade in romantischen und (hetero-)sexuellen Beziehungen sind die notwendigen Beziehungsarbeiten häufig ungleich verteilt. Für Verhütungsfragen, Anstoß von Beziehungsgesprächen oder Gesprächen über gemeinsame Sexualität, Rücksichtnahme auf das Gegenüber, Teilhabe an den Interessen und Problemen der*des anderen sind häufig Frauen zuständig. Unangebrachte Kommentare zu den Körpern von FLIT (FrauenLesbenInter*Trans*) oder mangelnde Vorsicht beim Durchsetzen eigener sexueller Präferenzen ohne (eindeutigen) Konsens der Sexualpartner*innen sind keine Seltenheit, sondern alltäglich. Diskriminierungserfahrungen und Übergriffe dieser Art erfordern von den Betroffenen auch immer ein Mehr an Selbstfürsorge, also auch Arbeit, die geleistet werden muss, um psychische Unversehrtheit zu wahren. Damit wird deutlich: Auch in sexuellen und erotischen Kontexten gehört Arbeitsteilung und Sichtbarmachen von Arbeit überdacht, denn auch hier grätscht uns das Patriarchat dazwischen und mischt sich unerwünschterweise ein. Gleichzeitig kann erotisches Erleben, Selbstbewusstsein und Wohlbefinden, das wir mit FLUT unterstützen wollen, eine Quelle sein, aus der wir Kraft schöpfen und Energie für alltägliche und politische Kämpfe gewinnen können.


Für mehr Informationen zum Frauen*streik in Jena: www.frauenstreik.org/jena


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